Wenn der Radfahrer zum Freiwild wird

Aus dem Kieler Straßenbild sind die vielen Fahrräder nicht mehr wegzudenken. Neben einer Vielzahl von Fahrradwegen gibt es auch noch Fahrradstraßen und trotzdem kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen Fahrradfahrern und den anderen Verkehrsteilnehmern.

Vor einiger Zeit beobachtete ich, wie ein älteres Rentnerpaar in der Stadt flanierte. Von der anderen Seite näherte sich ein Radfahrer und obwohl an dieser Stelle der Bürgersteig recht breit war, sah ich das Unheil kommen. Während der Radfahrer versuchte dem Pärchen auszuweichen, schwang der Rentner, wie ein Turnierritter, seinen Stock und versuchte den gegnerischen Angreifer mit einem Lanzenstoß aus den Sattel des Drahtesels zu heben. Der Stoß ging ins Leere, der Radfahrer brachte sein Rad zu Stillstand und durfte zahlreiche Schimpftiraden über sich ergehen lassen.

Dabei war der Radfahrer im Recht, denn an dieser Stelle existiert ein zweigeteilter Gehweg, den sich Fußgänger und Radfahrer teilen müssen. Doch auch dieses berechtigte Argument ließen die beiden renitenten Rentner nicht gelten und hastig ergriff der Radfahrer die Flucht, wohl auch vor dem Gehstock, der wie ein Damoklesschwert über seinem Kopf kreiste.

Doch nicht immer gehen die Zusammentreffen von Fußgängern und Fahrradfahrern zu glimpflich aus. Ohne etwas Böses zu ahnen, öffnet man die Haustür und wird fast von einem Drahteselrocker über den Haufen geradelt. Besonders ärgerlich ist dies, wenn auf der Straße ein Radweg deutlich markiert ist. Keinerlei Verständnis habe ich hingegen, wenn das in einer Fahrradstraße passiert…. oder doch?

Zufälligerweise lebe ich in einer solchen Fahrradstraße und erlebe dort den täglichen Überlebenskampf der Radfahrer mit. Obwohl der Radverkehr in dieser Straße Vorrang hat, nehmen die meisten Autofahrer keinerlei Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer, denn die Straße verbindet den Westring mit dem Knooper Weg und der Holtenauer Straße. Um die Ampel noch zu erwischen, gibt der autofahrende Hobbyrennfahrer – meist mit Rendsburger Kennzeichen – Vollgas! Der Radfahrer, die sich langsam bewegende Schikane, ist nur im Weg. Es wird gehupt, gedrängelt, geschimpft und wenn es hart auf hart kommt, fährt der ungeduldige Vorstadtprolet auch mal aufs Hinterrad auf.

Muss das denn sein? Wir leben in einem zivilisierten Land und trotzdem scheint auf der Straße das Recht des Stärkeren zu gelten. Egal ob Gehstock, Fahrrad oder Auto, alles wird zur Waffe im täglichen Kampf ums Überleben. Dabei würde etwas mehr Ruhe, Gelassenheit und Rücksicht nicht nur unsere Nerven schonen sondern auch den Straßenverkehr sicherer machen.

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