Bauernfrühstück – Zurück in die Vergangenheit

So ergeht es zumin­dest Klaus Engel­hardt, gespielt von John Bar­ron, der sich mit dem Sport­wa­gen sei­nes Chefs in der schleswig‐holsteinischen Peri­phe­rie ver­fährt und in einem klei­nen Dorf lan­det. Dort ist im wahrs­ten Sinne des Wor­tes die Zeit ste­hen geblie­ben: kein Han­dy­emp­fang, kein Inter­net son­dern eine eigen­bröt­le­ri­sche Dorf­ge­mein­schaft erwar­tet Klaus, die ihn als ver­meint­li­chen Spion gefan­gen nimmt.

Nach dem Kult­film „Deich­king“ ist „Bau­ern­früh­stück – Der Film“ das zweite Pro­jekt vom Kie­ler Regis­seur Michael Söth. Die Idee zum Film kam Söth, als er vor län­ge­rer Zeit eine Doku­men­ta­tion über die Nach­kriegs­zeit sah. In die­ser tra­fen die Alli­ier­ten nach Kriegs­ende auf dörf­li­che Gemein­schaf­ten, die das Kriegs­ende noch nicht mit­be­kom­men hat­ten und auch sonst vom Krieg kaum betrof­fen waren. Im Film hat er dies auf die Spitze getrie­ben und so leben in einem klei­nen Dorf in Schleswig‐Holstein die Bewoh­ner wei­ter­hin im Glau­ben, dass der zweite Welt­krieg noch nicht vor­bei ist und Hit­ler lebt. Täg­lich wird der Flie­ger­alarm aus­ge­löst und neu­gie­rige Fremde, wie der Mann von der GEZ, als feind­li­che Spione zum Tode verurteilt.

Doch nicht alle hal­ten Klaus für einen Spion. Wäh­rend der Dorf­bür­ger­meis­ter und Rich­ter Hart­mut Pan­se­grau (Ste­fan Hoss­feld) Klaus als eine Bedro­hung für die dörf­li­che Gemein­schaft sieht und ihn, wie alle ande­ren Ein­dring­linge zuvor, zum Tode ver­ur­teilt, emp­fin­det des­sen Schwes­ter Mar­tha (Eva Haber­mann) Zunei­gung zu dem Frem­den. Klaus erzählt ihr von der Welt hin­ter der Dorf­grenze und sei­nem Traum, irgend­wann einen eige­nen Nacht­klub zu eröff­nen. Doch die­sem Traum steht nicht nur Hart­mut, son­dern auch der Ham­bur­ger Nachtclub‐König Horst „Hod­del“ Bau­mann (Tetje Mie­ren­dorf) und des­sen beide Kil­ler im Wege.

Der Film, der größ­ten­teils im Frei­licht­mu­seum Molf­see bei Kiel gedreht wurde, ist nicht nur eine char­mante und kurz­wei­lige Komö­die son­dern auch eine lie­be­volle, wenn auch skur­rile Hom­mage an Nord­deutsch­land und seine Bewoh­ner. Da fal­len Unstim­mig­keit bei den zeit­li­chen Abläu­fen kaum ins Gewicht, wie die Tat­sa­che, dass die Dorf­ge­mein­schaft Klaus seit Tagen gefan­gen hält und ver­hört, wäh­rend er bzw. der Aston Mar­tin von „Hod­del“ Bau­mann erst seit weni­gen Stun­den ver­misst wird.
Fazit: Söths Lob‐Budget‐Produktion steht in der Tra­di­tion der Det­lef Buck Komö­dien, die ein­fach nur in Schleswig‐Holstein spie­len und den hie­si­gen Humor tref­fen kön­nen. Für den Rest der Repu­blik mögen man­che Dinge kurios erschei­nen, gerade des­halb bie­tet der Film einen wun­der­ba­ren Ein­blick in die Eigen­hei­ten der Norddeutschen.

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