„Nuhr die Ruhe“ in der Sparkassen-Arena

Nur im Win­ter schafft es Die­ter Nuhr nach Kiel zu kom­men und so kennt er Kiel als eine Stadt in der es stän­dig nie­selt, kalt ist und die vor lau­ter Nebel kaum zu erken­nen ist. Trotz­dem führt es ihn regel­mä­ßig an die Förde, wo auch die­ses Mal ein aus­ver­kauf­tes Haus auf ihn wartet.

„Nuhr die Ruhe“ ist nicht nur der Titel sei­nes aktu­el­len Pro­gramms son­dern es ist die eigent­li­che Bot­schaft die er sei­nem Publi­kum zu ver­mit­teln ver­sucht. Egal ob Bin­nen­kon­junk­tur, die Rechen­künste von Ban­kern oder ver­gan­gene und aktu­elle Kri­sen – nach­denk­lich, iro­nisch und in einer bemer­kens­wer­ten Gelas­sen­heit phi­lo­so­phiert er über die aktu­el­len Themen.

Tref­fend hin­ter­fragt er die all­ge­gen­wär­tige Welt­un­ter­gangs­stim­mung und Panik­ma­che unse­rer Zeit. Heute sind es Schwei­ne­grippe, Finanz­krise und die Kli­ma­ka­ta­stro­phe, die die Men­schen fürch­ten; frü­her waren es das Ozon­loch, unser Klima und der saure Regen, die gemein­sam mit dem Bor­ken­kä­fer unsere Wäl­der bedroh­ten. „Ich habe schon so viele Welt­un­ter­gänge über­lebt, dass ich gar nicht mehr jam­mern kann.“ Auch Wirt­schafts– und Ener­gie­krise sind für den kri­sen­ge­stähl­ten Komi­ker und Kaba­ret­tis­ten kein Grund zu jam­mern. Lie­ber erzählt er uns über sei­nen neus­ten Bei­trag zu Bele­bung der Bin­nen­kon­junk­tur – ein dre­hen­der Kra­wat­ten­hal­ter – oder seine Erfah­run­gen mit der chi­ne­si­schen Medizin.

Nuhr hat an die­sem Abend die Kie­ler auf sei­ner Seite – egal ob es um den bizar­ren Unfall­tod von David Carra­dine, Mina­rette und Kirch­türme oder die Höhe Frank­fur­ter Ban­ken­türme geht, seine Poin­ten kom­men beim Publi­kum gut an. Dabei unter­schei­det er sich deut­lich vom Bra­chi­al­hu­mor und der gehetz­ten Büh­nen­a­kro­ba­tik sei­ner Kol­le­gen. Statt­des­sen doziert er über die für uns selbst­ver­ständ­li­che Zivi­li­sa­tion, Nean­der­ta­ler, 60 Jahre Wohl­stand, unser stän­di­ges Jam­mern, unsere Beklopptheit und war­tet grin­send die Reak­tion sei­ner Zuschauer ab.

Posi­ti­ves Den­ken ist sei­ner Über­zeu­gung nach eine Bür­ger­pflicht, man kann dann nur hof­fen das es nächs­tes Jahr, wenn er Kiel besucht (3. Novem­ber 2010, Sparkassen‐Arena), nicht wie­der kalt und nie­se­lig sein wird.