Niest Du noch oder impfst Du schon?

Die soge­nannte „Schwei­ne­grippe“, eine Vari­ante des Influenza‐A‐Virus H1N1, ist seit Mona­ten ein Dau­er­bren­ner in den Medien. Täg­li­che Nach­rich­ten über neue Ver­dachts­fälle und die geplante Impf­ver­ord­nung der Bun­des­re­gie­rung ver­un­si­chern viele Men­schen. Der För­de­flüs­te­rer hat den schleswig‐holsteinischen Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Dr. Wolf­gang Wodarg zum Thema der zumin­dest ange­dach­ten Mas­sen­imp­fung befragt.

Men­schen­mas­sen auf den Flug­hä­fen, über­füllte Züge, Som­mer­loch – die Angst vor einer Anste­ckung an der von vie­len Medien dämo­ni­sier­ten Virus­er­kran­kung gras­siert. Sei diese Angst nun berech­tigt oder nicht, die „Schwei­ne­grippe“ ist und bleibt seit Mona­ten ein Thema, zuletzt durch die Impf­stoff­war­nung des Kie­ler Gesund­heits­mi­nis­te­ri­ums. Gerade im Hin­blick auf die zur Zeit heiß dis­ku­tierte und sehr umstrit­tene Imp­fung möchte der För­de­flüs­te­rer mög­lichst sach­lich seine Leser infor­mie­ren. Des­halb hat der Föprde­flüs­te­rer Dr. Wolf­gang Wodarg (SPD), Inter­nist, Epi­de­mio­log und Mit­glied des Gesund­heits­aus­schus­ses im Deut­schen Bun­des­tag interviewt.

Fördeflüsterer: Wer trägt die Kos­ten für die Imp­fung gegen eine neue Grippe?

Dr. Wolfgang Wodarg: Die Kos­ten tra­gen alle Kassen.

FöFlü: Ist die Wir­kung der Imp­fung nachgewiesen?

Wodarg: Keine Imp­fung ist wie die vom Vor­jahr, man weiß nicht genau, wel­cher Erre­ger­typ einen erwischt. Sta­tis­tisch gibt es jedoch einen Wir­kungs­nach­weis, aller­dings erst im Nachhinein.

FöFlü: Wel­che Neben­wir­kun­gen gibt es?

Wodarg: Bei den jetzt ange­kün­dig­ten neuen Impf­stof­fen ist das völ­lig offen. Novar­tis benutzt kein Hüh­ner­ei­weiß son­dern Krebs­zel­len, um den Impf­stoff anzu­züch­ten. Das birgt natür­lich ein bis­her nicht abschlie­ßend bewer­te­tes Risiko! Beim alten Impf­stoff tre­ten manch­mal All­er­gien oder kurz dau­ernde all­ge­meine Sym­ptome wie bei einer leich­ten Grippe auf. Auch kommt es bei ihr manch­mal zu Reak­tio­nen an der Injek­ti­ons­stelle am Ober­arm und zu eini­gen sehr sel­te­nen wei­te­ren Nebenwirkungen.

FöFlü: Ist die Imp­fung über­haupt zuge­las­sen bzw. wur­den die glei­chen Anfor­de­run­gen erfüllt die sonst für die Zulas­sung von Medi­ka­men­ten gelten?

Wodarg: Einige Impf­stoffe haben noch keine dezi­dierte Zulas­sung, weil ihre end­gül­tige Zusam­men­set­zung noch nicht fest­steht. Es ist aber das Her­stel­lungs­ver­fah­ren mit den dann jeweils ein­zu­set­zen­den Virus­ty­pen grund­sätz­lich zuge­las­sen. Vor­aus­sa­gen sind schwie­rig. Neu ist der­zeit das Ver­fah­ren von Novar­tis. Ein Impf­stoff von Novar­tis mit dem Han­dels­na­men Fluad wurde schon häu­fig ange­wandt. Er wird nicht auf Krebs­zel­len gezüch­tet son­dern ent­hält als Inno­va­tion einige Adju­van­tien (Hilfs­stoffe), die dafür sor­gen sol­len, dass mit gerin­ge­rer Impf­do­sis die glei­che Immu­ni­tät erreicht wird wie bei frü­he­ren Pro­duk­ten. Ähn­li­che Impf­stoffe bie­ten auch andere Fir­men, wie zum Bei­spiel Glaxo‐​Smith‐​Kline an. Nur die Neu­ent­wick­lung „Optaflu“ von Novar­tis wird nicht auf Hüh­ner­ei­weiß son­dern auf Krebs­zell­kul­tu­ren ange­rei­chert. Impf­stoffe die­ser neuen Pro­duk­ti­ons­li­nie wer­den der­zeit in Bay­ern an meh­re­ren Tau­send Men­schen kli­nisch erprobt. Wich­tig wäre mei­nes Erach­tens bei einer sol­chen Tes­tung, den Beob­ach­tungs­zeit­raum so weit aus­zu­deh­nen, dass auch spät auf­tre­tende Krebs­er­kran­kun­gen durch Ver­un­rei­ni­gun­gen des auf risi­ko­rei­chen Zel­len gezüch­te­ten Impf­stof­fes aus­ge­schlos­sen wer­den kön­nen. Ich halte sie für die Anwen­dung in der kom­men­den Grip­pe­sai­son nicht für geeignet.

FöFlü: Ist die Imp­fung obli­ga­to­risch? Wer trägt das Risiko?

Wodarg: Das Risiko bleibt bei Imp­fung und bei Nicht‐​Impfung natür­lich weit­ge­hend beim Pati­en­ten, denn die Imp­fung ist keine Pflicht son­dern frei­wil­lig. Die imp­fen­den Ärzte müs­sen für auf­tre­tende Impf­scha­dens­fälle haf­ten, wenn die Imp­fung ohne wirk­same Ein­wil­li­gung, das heißt zum Bei­spiel auch ohne Auf­klä­rung, erfolgte. Für Impf­schä­den haf­tet der Staat nach dem Infek­ti­ons­schutz­ge­setz, sofern es sich um eine amt­lich emp­foh­lene Imp­fung han­delt. Die Ersatz­leis­tun­gen sind jedoch begrenzt, ins­be­son­dere wird kein Schmer­zens­geld bezahlt. Bei Ver­let­zung der Auf­klä­rungs­pflicht haf­tet der Impf­arzt wegen Ver­trags­ver­let­zung und wegen uner­laub­ter Hand­lung und muss dann gege­be­nen­falls sogar Schmer­zens­geld zahlen.

FöFlü: Wenn man bedenkt, wie viele Men­schen jedes Jahr an einer ganz nor­ma­len Grippe erkran­ken und an die­ser ster­ben, kann man bezüg­lich der Schwei­ne­grippe von „Panik­ma­che“ sprechen?

Wodarg: Ja.

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